MPU Kosten Alkohol: alle Posten und was du davon sparen kannst
Als ich 2015 selbst wissen wollte, was mich das Ganze kostet, bekam ich von keiner Stelle eine Zahl. Nur Preisspannen, Verweise, Rückrufe. Also hier die Rechnung, die mir damals gefehlt hat.
Das Gutachten ist nicht der teure Teil. Teuer ist das Jahr davor. Wer bei 1,6 Promille oder darüber erwischt wurde, sitzt fast immer in einem Abstinenzprogramm, und dieses Programm kostet mehr als der Termin bei der Begutachtungsstelle.
Was kostet deine Alkohol-MPU?
Drei Angaben – du siehst sofort die Spanne und woraus sie sich zusammensetzt.
Richtwerte auf Basis der üblichen Marktpreise – dein Angebot kann abweichen.
Alle Posten, die zusammenkommen
| Posten | Kosten | Wann fällig |
|---|---|---|
| Gutachten, Fragestellung Alkohol | 550–750 € | am Untersuchungstag |
| Urinscreening über 6 Monate, 4 Termine | 450–600 € | laufend |
| Urinscreening über 12 Monate, 6 Termine | 700–1.000 € | laufend |
| Behördengebühren | 150–350 € | bei Antragstellung |
| Vorbereitung | ab 250 € | vorher |
Sechs Monate oder zwölf? Das entscheidest nicht du
Über die Programmdauer bestimmt die Fragestellung, die deine Führerscheinstelle formuliert. Sie richtet sich nach dem, was in der Akte steht: gemessener Wert, Vorgeschichte, Auffälligkeiten im Verhalten.
Ab 1,6 Promille geht die Behörde von einer erhöhten Alkoholgewöhnung aus. Die Logik dahinter ist unbequem, aber nachvollziehbar: Wer mit dieser Menge noch Auto fährt, ohne umzukippen, hat sich das antrainiert. Und antrainiert heißt aus Behördensicht: über längere Zeit, regelmäßig, mit Gewöhnung.
Für deine Rechnung macht das mehrere hundert Euro aus. Sechs Monate sind vier Screenings, zwölf Monate sechs.
Aus der Praxis — Ben Ambros
Der teuerste Fehler, den ich immer wieder sehe: jemand hört im Januar auf zu trinken, meldet sich aber erst im Mai zum Urinprogramm an. Die vier Monate sind weg – gezählt wird ab der Anmeldung. Bei einem Fall mit 1,6 und 1,9 Promille hat genau das mehrere Monate Wartezeit und mehrere hundert Euro extra gekostet.
Was die Summe nach oben treibt
- Haaranalyse statt Urin. Weniger Termine, aber teurer pro Analyse. Gefärbtes oder zu kurzes Haar macht sie unbrauchbar, dann zahlst du zweimal.
- Der falsche Startzeitpunkt beim Programm.
- Der zweite Versuch. Wer durchfällt, zahlt das Gutachten noch einmal komplett, und die Behörde will oft frische Nachweise obendrauf.
Eine Rechnung, wie sie typischerweise aussieht
Fall: Ersttäter, kontrolliertes Trinken statt Abstinenz, Begutachtung bei der DEKRA, Vorbereitung über mehrere Monate in Einzelterminen. So verteilt sich die Summe:
| Posten | Betrag |
|---|---|
| Blutuntersuchung nach der Kontrolle | 193 € |
| Strafbefehl und Verfahrensgebühren | 120 € |
| 2 × EtG-Haaranalyse | 250 € |
| Vorbereitung, 25 Termine à 40 € | 1.000 € |
| MPU-Gutachten | 694 € |
| Wiedererteilung Führerschein | 171 € |
| Vorläufiger Führerschein | 10 € |
| Gesamt | 2.438 € |
Auffällig daran: Das Gutachten macht keine 30 Prozent aus. Der größte Einzelposten ist die Vorbereitung, und die kleinen Rechnungen drumherum summieren sich auf fast 500 €.
Der zweite Preis steht in keiner Tabelle. Zwischen Kontrolle und neuem Führerschein liegen typischerweise zwölf bis vierundzwanzig Monate. Wer beruflich fährt, rechnet ab hier selbst weiter.
Die Posten, die in keiner Kostenübersicht stehen
Die großen Zahlen kennt jeder. Was in den Aufstellungen fehlt, sind die kleinen Rechnungen davor und danach. Zusammen sind sie schnell ein vierstelliger Betrag.
- Blutentnahme und Untersuchung nach der Kontrolle, rund 190 €, kommt vom Land oder der Polizei.
- Strafbefehl, Gerichts- und Verfahrensgebühren, oft um 120 €, unabhängig von der Geldstrafe selbst.
- Haaranalyse je Probe 90 bis 125 €. Bei zwei Proben im Jahr sind das rund 250 €, die separat abgerechnet werden.
- Vorläufiger Führerschein etwa 10 €, Wiedererteilung je nach Behörde um 170 €.
- Fahrten zu Labor und Begutachtungsstelle, dazu Urlaubs- oder unbezahlte Stunden für die Termine.
Wer nur Gutachten und Nachweis rechnet, liegt am Ende regelmäßig 500 € daneben.
Wo Sparen funktioniert
An genau einer Stelle: bei der Wahl der Begutachtungsstelle. Die Preise sind nirgends festgelegt, jede Stelle kalkuliert für sich. Zwischen zwei Anbietern in derselben Region liegen bei identischer Fragestellung 100 bis 200 €. Zwei Anrufe, zwei Preise, fertig.
Und wo es nach hinten losgeht
An der Vorbereitung.
Das klingt nach Eigenwerbung, ist aber schlicht Rechnerei: Rund ein Drittel fällt beim ersten Anlauf durch. Der Spareffekt kostet dann ein zweites Gutachten, dazu die Monate, in denen der Führerschein weiter weg bleibt. Was Vorbereitung kostet, steht im Kursvergleich. Die Übersicht über alle Anlässe findest du im Kostenüberblick mit Rechner.
Wenn das Geld nicht auf einmal da ist
Ein Vorteil des Alkoholfalls: Der größte Posten kommt sowieso in Raten. Screenings werden pro Termin abgerechnet, über sechs oder zwölf Monate verteilt. Niemand verlangt die Summe vorab.
- Jobcenter oder Agentur für Arbeit übernehmen im Einzelfall, wenn der Führerschein für die Arbeitsaufnahme nötig ist. Das ist eine Ermessensleistung. Antrag stellen, bevor du zahlst, denn rückwirkend gibt es fast nie etwas.
- Ratenzahlung fürs Gutachten bieten viele Stellen an. Von allein sagt es dir keiner.
- Steuerlich absetzbar ist die MPU nur in engen Ausnahmen, etwa wenn der Führerschein zwingend zum Beruf gehört. Vorher mit dem Steuerberater klären, nicht danach.
Was sich nie rechnet: ein günstigeres Labor, das am Ende nicht anerkannt ist. Dann sind Geld und Monate weg.
