MPU wegen Alkohol: Was wirklich auf dich zukommt – und wie du bestehst
Alkohol am Steuer ist der häufigste Grund für eine MPU in Deutschland. Knapp die Hälfte aller Medizinisch-Psychologischen Untersuchungen werden wegen Alkoholdelikten angeordnet. Dieser Guide erklärt dir ehrlich und ohne Verkaufsfloskeln, was auf dich zukommt: ab welchem Promillewert die MPU droht, was sie kostet, wie der Ablauf aussieht und wie du sie beim ersten Anlauf bestehst.
MPU wegen Alkohol – das Wichtigste auf einen Blick
- 1 Ab 1,6 Promille ist die MPU bundesweit Pflicht. In Bayern und Baden-Württemberg bereits ab 1,1 Promille.
- 2 Kosten gesamt: Rechne mit 1.500 – 4.500 € (MPU + Abstinenznachweise + Vorbereitung).
- 3 Dauer: Die Untersuchung selbst dauert 2 – 4 Stunden. Die Vorbereitung beginnt idealerweise sofort nach dem Delikt.
- 4 Abstinenz ist nicht immer nötig. In bestimmten Fällen reicht kontrolliertes Trinken.
- 5 Bestehensquote: Rund 60 % bestehen beim ersten Versuch – mit guter Vorbereitung deutlich mehr.
Ab wann droht eine MPU wegen Alkohol?
Die Fahrerlaubnisbehörde ordnet die MPU nicht willkürlich an. Es gibt klare Regeln – und einige Grauzonen, die viele Betroffene überraschen. Grundsätzlich gilt: Je höher der Promillewert und je mehr Vorgeschichte, desto sicherer kommt die Anordnung. Einen ausführlichen Artikel dazu findest du unter Ab wann MPU wegen Alkohol?
MPU ist immer Pflicht
Wer mit 1,6 Promille oder mehr im Straßenverkehr erwischt wird, muss bundesweit eine MPU absolvieren – ohne Ausnahme. Das gilt auch auf dem Fahrrad oder E-Scooter.
MPU sehr wahrscheinlich
In Bayern und Baden-Württemberg wird ab 1,1 Promille standardmäßig eine MPU angeordnet. In anderen Bundesländern reichen Wiederholungstaten oder Ausfallerscheinungen.
MPU bei Wiederholung
Wer wiederholt mit 0,5 Promille oder mehr auffällt oder einen Unfall verursacht, muss mit einer MPU rechnen. Ersttäter kommen hier in der Regel mit einem Bußgeld davon.
MPU auch außerhalb des Verkehrs
Wer wiederholt durch alkoholbedingte Straftaten auffällt – etwa Schlägereien oder häusliche Gewalt unter Alkoholeinfluss – kann ebenfalls zur MPU geladen werden.
Ein wichtiger Sonderfall: Das Bundesverwaltungsgericht hat 2021 entschieden, dass auch bei einer erstmaligen Alkoholfahrt ab 1,1 Promille eine MPU angeordnet werden darf, wenn keine Ausfallerscheinungen dokumentiert wurden. Die Begründung: Wer bei diesem Alkoholpegel unauffällig wirkt, hat vermutlich eine hohe Alkoholgewöhnung – was wiederum Zweifel an der Fahreignung begründet. Details zu den Promillegrenzen findest du unter Ab wie viel Promille MPU?
So läuft die Alkohol-MPU ab
Die MPU ist kein Idiotentest und kein Quiz mit richtigen oder falschen Antworten. Es ist eine strukturierte Begutachtung, bei der Ärzte und Psychologen deine Fahreignung beurteilen. Der genaue Ablauf der MPU folgt einem festen Schema mit vier Teilen:
Fragebogen
Zu Beginn füllst du einen standardisierten Fragebogen zu deiner Person, deinem Alkoholkonsum und deiner Vorgeschichte aus. Sei hier ehrlich – die Angaben werden im psychologischen Gespräch abgeglichen.
Medizinische Untersuchung
Ein Arzt prüft deinen allgemeinen Gesundheitszustand: Blutdruck, Reflexe, Herzfunktion und den Bewegungsapparat. Bei einer Alkohol-MPU werden außerdem deine Leberwerte (CDT, EtG, Gamma-GT) kontrolliert. Auffällige Werte können das Ergebnis negativ beeinflussen. Mehr zur ärztlichen Untersuchung bei der MPU.
Leistungstest (Reaktionstest)
Am Computer werden Konzentration, Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit getestet. Das ist der Teil, vor dem die meisten am wenigsten Angst haben – zu Recht. Die Tests sind machbar, wenn du ausgeschlafen und nüchtern erscheinst. Wer vorab üben möchte, kann den MPU Reaktionstest-Simulator nutzen.
Psychologisches Gespräch
Das Herzstück der MPU – und der Teil, an dem die meisten scheitern. Ein Verkehrspsychologe befragt dich 30–60 Minuten lang zu deinem Delikt, deiner Alkoholgeschichte, deiner Einsicht und deinen konkreten Verhaltensänderungen. Es geht nicht darum, Reue vorzuspielen, sondern eine echte, glaubwürdige Veränderung darzulegen. Lies mehr dazu unter Wie verhalte ich mich beim psychologischen Gutachter?
Das Ergebnis bekommst du in der Regel nicht sofort, sondern als schriftliches Gutachten innerhalb von 10 bis 14 Werktagen. Die gesamte Untersuchung dauert zwischen 2 und 4 Stunden.
Typische Fragen bei der Alkohol-MPU
Die MPU Fragen bei Alkohol folgen keinem starren Katalog, aber bestimmte Themenbereiche tauchen in jeder Alkohol-MPU auf. Der Gutachter will verstehen, ob du dein Trinkverhalten wirklich reflektiert hast – oder nur auswendig gelernte Antworten herunterbeten kannst.
Der Gutachter merkt sofort, ob deine Antworten echt sind oder nur angelesen. Wer bei der MPU lügt, kommt nicht weiter – im Gegenteil. Unstimmigkeiten zwischen deinen Angaben, den Laborwerten und der Akte führen fast immer zum Durchfall. In unserem Artikel zu den Tricks der MPU-Psychologen erfährst du, wie die Gutachter methodisch vorgehen.
Abstinenznachweis: Brauchst du einen – und wie lange?
Eine der häufigsten Fragen von Betroffenen: „Muss ich komplett auf Alkohol verzichten?" Die Antwort ist: Es kommt darauf an. Nicht jeder braucht einen Abstinenznachweis, aber in vielen Fällen ist er der sicherste Weg zum positiven Gutachten.
Wann ist Abstinenz notwendig?
| Situation | Abstinenz? | Dauer |
|---|---|---|
| Erstmaliges Delikt unter 2,0 Promille, keine Auffälligkeiten | Oft nicht nötig | — |
| Erstdelikt ab 2,0 Promille Häufigster Fall | Meist ja | 6 – 12 Monate |
| Wiederholungstäter / 2. MPU | Ja, zwingend | 12 – 15 Monate |
| Hinweise auf Alkoholabhängigkeit | Ja, zwingend | 12 – 15 Monate |
| Kontrollverlust trotz Vorsätzen in der Vergangenheit | Ja, empfohlen | 12 Monate |
Die Alternative zur Abstinenz ist das kontrollierte Trinken. Dabei weist du nach, dass du deinen Alkoholkonsum bewusst und verantwortungsvoll handhabst – ohne Exzesse, ohne Rauschzustände. Das setzt voraus, dass du kein Abhängigkeitsmuster zeigst und dein Promillewert beim Delikt nicht extrem hoch war. Ob kontrolliertes Trinken für deinen Fall realistisch ist, erfährst du auch in unserem Artikel MPU ohne Abstinenznachweis.
Welche Nachweisverfahren gibt es?
Für den Abstinenznachweis bei Alkohol stehen dir drei Verfahren zur Verfügung:
| Verfahren | Kosten pro Analyse | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Urinanalyse (EtG) | 80 – 150 € | 4 Screenings für 6 Monate, 6 für 12 Monate. Spontan und kurzfristig angesetzt. Mehr dazu: Alkohol im Urin nachweisbar |
| Haaranalyse Beliebt | 150 – 250 € | 3 cm Haarlänge decken ca. 3 Monate ab. 4 Analysen für 12 Monate. Haare dürfen nicht gefärbt oder gebleicht sein. Details: MPU Haaranalyse |
| PEth-Analyse (Blut) | 100 – 200 € | Seit 2023 zugelassen. Ein Blutstropfen genügt. Deckt ca. 3–4 Wochen ab. |
Wichtig ist auch, dass du dich nicht auf den Hausarzt allein verlässt. Die Proben müssen bei einem forensisch akkreditierten Labor genommen werden, sonst werden sie nicht anerkannt. Ein falscher positiver Befund – also ein positiver EtG trotz Abstinenz – kann durch bestimmte Lebensmittel oder Medikamente ausgelöst werden. Lass dich vorher dazu beraten.
Was kostet die MPU wegen Alkohol wirklich?
Die Kosten einer MPU sind seit 2018 nicht mehr einheitlich geregelt – jede Begutachtungsstelle legt ihre Preise selbst fest. Hier eine realistische Kostenaufstellung für eine typische Alkohol-MPU, damit du wirklich weißt, was die MPU komplett kostet:
| Posten | Kosten (ca.) | Anmerkung |
|---|---|---|
| MPU-Gebühr (Begutachtung) | 700 – 1.000 € | Je nach Begutachtungsstelle. Vergleich der Begutachtungsstellen |
| Abstinenznachweise (6 Mon.) | 400 – 700 € | 4 Urinscreenings oder Haaranalysen |
| Abstinenznachweise (12 Mon.) | 600 – 1.200 € | 6 Urinscreenings oder 4 Haaranalysen |
| Vorbereitung Größter Hebel | 250 – 3.000 € | Online-Kurs ab 250 €, Einzelberatung beim Verkehrspsychologen 1.500 – 3.000 €. Kosten & Vergleich |
| Führerschein-Neuantrag | 35 – 50 € | Verwaltungsgebühr der Führerscheinstelle |
| Gesamt (realistisch) | 1.500 – 4.500 € | Je nach Abstinenzdauer und Vorbereitungsform |
Wer bei der Vorbereitung spart, spart am falschen Ende: Ein negatives MPU-Gutachten bedeutet, dass du den gesamten Prozess – inklusive neuer Abstinenznachweise und einer erneuten Gebühr – wiederholen musst. Das summiert sich schnell auf zusätzliche 2.000 – 3.000 €. Der zeitliche und finanzielle Aufwand einer gescheiterten MPU ist erheblich höher als eine solide Vorbereitung.
Vorbereitung: Was wirklich hilft – und was rausgeworfenes Geld ist
Die Vorbereitung auf die Alkohol-MPU ist der wichtigste Faktor für den Erfolg. Gleichzeitig ist der Markt voller unseriöser Angebote. Hier eine ehrliche Einordnung der verschiedenen Vorbereitungswege – damit du dein Geld nicht an MPU-Abzocker verlierst.
Einzelberatung beim Verkehrspsychologen
Kosten: 1.000 – 3.000 € (5–15 Sitzungen)
Geeignet für: Komplexe Fälle, Wiederholungstäter, hohe Promillewerte.
Vorteil: Individuell auf deinen Fall zugeschnitten. Der MPU-Psychologe kennt die Denkweise der Gutachter und kann dir helfen, echte blinde Flecken aufzudecken.
Online-Kurs mit strukturiertem Programm
Kosten: 250 – 800 €
Geeignet für: Ersttäter mit klarer Bereitschaft zur Veränderung, die selbstständig arbeiten können.
Vorteil: Flexibel, ortsunabhängig, oft günstiger als Einzelberatung. Lies Erfahrungen mit Online-MPU-Vorbereitung und prüfe, ob ein Online-Kurs bei Alkoholfahrt zu deiner Situation passt.
Gruppenseminare mit „Geld-zurück-Garantie"
Kosten: 500 – 1.500 €
Problem: Oft unseriös. Keine Vorbereitung kann eine Bestehens-Garantie geben – das ist schlicht gelogen. Gruppenseminare können kaum auf individuelle Fälle eingehen. Wer dir MPU bestehen mit Garantie verspricht, will vor allem dein Geld.
Keine Vorbereitung
Die Durchfallquote ohne Vorbereitung liegt bei fast 50 %. Wer sich denkt „Das wird schon", riskiert eine Wiederholung mit monatelanger Verzögerung und tausenden Euro Mehrkosten. MPU ohne Vorbereitung – warum das fast immer schiefgeht.
Einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Vorbereitungswege – mit Kostenvergleich und Empfehlungen – findest du unter MPU Vorbereitung bei Alkohol und Beste MPU Vorbereitung. Wer sich über die Seriosität von MPU-Angeboten informieren möchte, findet dort klare Kriterien.
Dein Fahrplan: Von der Trunkenheitsfahrt zurück zum Führerschein
Die meisten Betroffenen machen den Fehler, erst am Ende der Sperrfrist mit der Vorbereitung zu beginnen. Der klügere Weg: Nutze die Sperrfrist aktiv. Hier ein realistischer Zeitplan, wie lange die Vorbereitung dauert:
Sonderfälle und häufige Irrtümer
MPU auf dem Fahrrad oder E-Scooter
Ja, auch wer betrunken Rad fährt oder einen E-Scooter nutzt, kann eine MPU wegen Fahrrad aufgebrummt bekommen – mit Konsequenzen für den Auto-Führerschein. Die 1,6-Promille-Grenze gilt hier genauso.
MPU umgehen – geht das?
Manche Betroffene versuchen, die MPU zu umgehen – etwa durch einen EU-Führerschein ohne MPU oder durch einfaches Abwarten. Generell gilt: Die MPU lässt sich nicht einfach umgehen. Es gibt allerdings die Möglichkeit der MPU-Verjährung nach 10 bis 15 Jahren ohne weitere Auffälligkeiten – dann kannst du den Führerschein ohne MPU zurückbekommen. Für die meisten ist das aber keine realistische Option, besonders wenn der Job am Führerschein hängt.
Sperrfrist und Wartezeit
Nach einer Trunkenheitsfahrt wird in der Regel eine Sperrfrist verhängt – meist 6 bis 12 Monate. Ob eine Sperrfristverkürzung möglich ist, hängt vom Einzelfall ab. Den Antrag auf Neuerteilung kannst du bis zu 6 Monate vor Ablauf der Sperrfrist stellen. Der Artikel 1,7 Promille – wie lange ist der Führerschein weg? gibt dir einen konkreten Überblick.
MPU durchgefallen – was dann?
Wer die MPU nicht besteht, kann sie wiederholen – allerdings empfiehlt es sich, die Begutachtungsstelle zu wechseln und die Empfehlungen aus dem negativen Gutachten ernst zu nehmen. Ein Zweitgutachten kann in manchen Fällen ebenfalls eine Option sein.
Häufig gestellte Fragen zur Alkohol-MPU
Ab wie viel Promille muss ich zur MPU?
Was kostet die MPU wegen Alkohol insgesamt?
Muss ich komplett auf Alkohol verzichten?
Wie lange dauert die MPU?
Kann ich die MPU beim ersten Mal bestehen?
Was passiert, wenn ich durchfalle?
Kann ich die MPU umgehen?
Welche Leberwerte werden bei der MPU kontrolliert?
Wie finde ich die richtige Begutachtungsstelle?
Lohnt sich die Vorbereitung wirklich?
Bereit für den ersten Schritt?
Finde heraus, wo du stehst – mit unserem kostenlosen MPU-Check. In 60 Sekunden weißt du, wie deine Chancen sind und was du als nächstes tun solltest.
Redaktion & Fachautor: Ben Ambros
Ben Ambros ist Gründer von MPU-Wissen – einer der führenden Plattformen zur MPU-Vorbereitung. Gemeinsam mit ehemaligen MPU-Gutachtern, Verkehrspsychologen, Juristen und Betroffenen stellt er sicher, dass Inhalte fachlich geprüft, praxisnah und rechtlich fundiert sind.
Quellen & Verweise
Gesetze & amtliche Stellen
BASt – Begutachtungsleitlinien
Praxis & Orientierung
TÜV SÜD – MPU-Infos & Gebühren
TÜV NORD – MPU-Gutachten & Ablauf
Wikipedia