Abstinenznachweis: Wie lange und ab wann? Ein ehrlicher Leitfaden für deine MPU
Du hast Post von der Führerscheinstelle bekommen, überall fallen Wörter wie „Abstinenznachweis“ oder „Kontrollprogramm“ – aber so richtig blickst du nicht durch?
Genau hier setzt dieser Artikel an. Du erfährst:
- Wie lange du Abstinenznachweise brauchst,
- ab wann dein Abstinenznachweis wirklich zählt,
- wie du typische Fehler vermeidest, die Zeit und Geld kosten.
Ohne Fachchinesisch, ohne Panik – dafür mit Klartext und praktikablen Tipps.
1. Was ist ein Abstinenznachweis überhaupt?
Ein Abstinenznachweis bedeutet: Über einen bestimmten Zeitraum wird medizinisch kontrolliert, dass du keinen Alkohol und/oder keine Drogen konsumierst – je nachdem, warum du zur MPU musst.
Das läuft typischerweise über ein sogenanntes „Kontrollprogramm“:
- Urinscreenings: unangekündigte Termine in einem festgelegten Zeitraum,
- Haaranalysen: Labor untersucht deine Haare rückwirkend für mehrere Monate,
- oder eine Kombination aus beiden Methoden.
Ziel dieser Programme ist es nicht, dich „reinzulegen“, sondern gegenüber Führerscheinstelle und Gutachter stabil und nachvollziehbar zu belegen, dass du deinen Konsum dauerhaft verändert hast.
2. Warum ist „Wie lange?“ so entscheidend?
Die Dauer deiner Abstinenz ist einer der Kernpunkte in der MPU. Der Gutachter schaut sich unter anderem an:
- Wie schwerwiegend war dein Fall (Promillewert, THC-Konzentration, andere Substanzen)?
- Gibt es Hinweise auf Missbrauch oder Abhängigkeit?
- Gab es mehrere Auffälligkeiten oder ist es ein Einzelfall?
- Wie sah dein Konsum vor der Auffälligkeit aus?
Je nach Konstellation verändern sich die Erwartungen an die Abstinenzdauer.
2.1 Grobe Orientierung: Wie lange bei Alkohol?
(Ohne Anspruch auf Einzelfallentscheidung, zur Orientierung):
- Bei Alkohol liegen viele Kontrollprogramme bei 6 oder 12 Monaten Abstinenz.
-
Wie lange bei dir sinnvoll ist, hängt z. B. ab von:
- deinem früheren Trinkverhalten (Gelegenheits- vs. regelmäßiger Konsum),
- deinen Blutwerten und der Höhe der Auffälligkeit,
- eventuellen Vorbelastungen (frühere Fahrten, frühere Verfahren).
2.2 Grobe Orientierung: Wie lange bei Drogen?
- Bei Cannabis bewegen sich sinnvolle Nachweiszeiträume oft im Bereich von 6 bis 12 Monaten.
- Bei anderen Drogen (z. B. Kokain, Amphetamine, Opiate) werden häufig strengere und längere Abstinenzzeiten erwartet.
3. Ab wann zählt der Abstinenznachweis?
Das ist die Frage, die die meisten verunsichert – und sie ist tatsächlich entscheidend für deine Planung.
3.1 Persönlicher Abstinenzstart vs. offizieller Nachweisstart
Es gibt im Grunde zwei wichtige Zeitpunkte:
-
Dein persönlicher Abstinenzstart
Ab wann hast du für dich entschieden: „Ab jetzt trinke/konsumiere ich nichts mehr?“ -
Offizieller Beginn des Abstinenznachweises
Ab wann laufen medizinische Kontrollen (Urinscreenings, Haarproben), die du später belegen kannst – also das eigentliche Kontrollprogramm.
Der Gutachter interessiert sich am Ende für beides:
- deine innere Entscheidung und deine Veränderung,
- und die offiziell dokumentierten Nachweise.
Nur weil du subjektiv seit Monaten nichts trinkst, heißt das noch nicht automatisch, dass du einen verwertbaren Abstinenznachweis hast. Aber: Eine schlüssige Geschichte mit gut geplanter Nachweiszeit kann in der MPU sehr stark wirken.
4. Typische Konstellationen – was bedeutet „ab wann“ konkret?
Beispiel 1: Du trinkst seit der Kontrolle nichts mehr
- Tatdatum: 01.02.
- Du trinkst seit 02.02. keinen Alkohol mehr.
- Du startest dein Kontrollprogramm (Laborvertrag) am 01.05.
Dann könntest du später z. B. darstellen:
- Persönliche Abstinenz: seit 02.02.
- Offizieller Nachweis: z. B. 12 Monate, beginnend ab 01.05.
Deine Nachweise zählen formal ab 01.05., deine persönliche Veränderung beginnt aber früher – das ist plausibel, wenn du es in der MPU stimmig erklären kannst.
Beispiel 2: Du verschiebst den Start nach hinten
- Tatdatum: 01.02.
- Du trinkst noch weiter bis 01.08.
- Erst ab 01.08. startest du mit Abstinenz und Kontrollprogramm.
Hier beginnt deine glaubhafte Abstinenzphase erst im August – und das sieht der Gutachter. Mögliche Folgen:
- längere empfohlene Abstinenzzeit,
- ein späterer MPU-Termin,
- mehr Kosten durch die Verzögerung.
Beispiel 3: Du hast schon andere Laborwerte
Manche haben durch Klinikaufenthalte, Therapie oder andere Gründe bereits Laborbefunde oder Haaranalysen, bevor sie an die MPU denken.
Wenn diese Befunde formal passen (akkreditiertes Labor, richtiger Zeitraum, passende Substanzen), können sie unter Umständen mitverwendet werden.
Aber: Das ist eine Einzelfallentscheidung. Einfach darauf zu vertrauen, dass „das schon anerkannt wird“, kann riskant sein.
5. Wie lange ist ein Abstinenznachweis „gültig“?
Eine typische Sorge klingt ungefähr so:
„Mein Kontrollprogramm endet im Juni, aber der MPU-Termin ist vielleicht erst im Oktober – ist dann alles umsonst?“
In der Praxis schauen Gutachter darauf, dass zwischen dem Ende deiner Nachweisphase und deinem MPU-Termin nicht zu viel unverifizierte Zeit liegt.
Als grobe Orientierung:
- Liegt der MPU-Termin deutlich später als das Ende deiner Nachweise, kann es sein, dass zusätzliche Nachweise oder aktuelle Werte erwartet werden.
- Liegt der Termin in einem überschaubaren zeitlichen Rahmen, ist das meist unproblematischer – vorausgesetzt, deine Geschichte und dein Verhalten sind stimmig.
Das ist der Grund, warum eine sinnvolle Zeitplanung so wichtig ist: Weder blind „viel zu früh“ loslegen, noch so spät beginnen, dass du deine MPU immer weiter nach hinten schieben musst.
6. Häufige Fehler bei Abstinenznachweisen
-
„Ich buche einfach irgendwas – Hauptsache günstig.“
→ Risiko: falsche Dauer, falsche Substanzen, nicht anerkanntes Labor. -
„Im Internet steht, 6 Monate reichen.“
→ Deine persönliche Vorgeschichte kann dazu führen, dass 12 Monate oder mehr sinnvoll sind. -
„Ich sage einfach, ich trinke seit der Kontrolle nichts mehr.“
→ Gutachter sind trainiert, Widersprüche zu erkennen. Wenn deine Erzählung nicht zur Akte und zum Nachweiszeitraum passt, wird es kritisch. -
„Ich plane ohne Überblick und wundere mich, warum alles ein Jahr länger dauert.“
→ Ohne Konzept verlierst du schnell Monate – und Geld.
7. Wie du deine Abstinenz und dein Kontrollprogramm sinnvoll planst
-
Vorgeschichte klären
Wie häufig und wie viel hast du konsumiert? Gab es frühere Auffälligkeiten? Was steht (oder wird stehen) in deiner Akte? -
Grundsatzentscheidung: Abstinenz oder kontrollierter Konsum
In vielen Konstellationen ist echte Abstinenz die sicherere Variante. In wenigen, gut begründeten Fällen kann kontrollierter Konsum in Frage kommen – aber nur, wenn das zu deiner Akte passt. -
Laufzeit realistisch wählen
Eher 6 oder 12 Monate – oder mehr? Welche Form (Haar, Urin, Kombination) passt zu deiner Lebenssituation und zu deiner Vorgeschichte? -
Startzeitpunkt durchdacht festlegen
Idealerweise so, dass du:- ab deinem tatsächlichen Konsumende abstinent bist und
- dein Nachweis noch aktuell genug ist, wenn die MPU stattfindet.
-
Alles dokumentieren
Konsumverlauf, Abstinenzstart, Nachweiszeiträume, Therapie/ Beratung, Änderungen im Alltag, Strategien gegen Rückfälle – all das hilft dir in der MPU.
8. Ergänzende Fragen, die Betroffene oft stellen (FAQ)
- Reicht es, wenn ich nur sage, dass ich abstinent bin?
- In der MPU zählen belegbare Nachweise sehr viel. Deine Erzählung ist wichtig, aber ohne nachvollziehbare Fakten wird es schwierig – vor allem bei Alkohol- und Drogenthematik.
- Kann ich die Zeit, in der ich schon nichts mehr konsumiert habe, „anrechnen“ lassen?
- Deine persönliche Abstinenz vor Start des Kontrollprogramms kann für die Glaubwürdigkeit deiner Geschichte hilfreich sein, ersetzt aber in der Regel keine formal korrekten Nachweise. Manchmal lassen sich vorhandene Laborwerte einbauen – das ist aber immer eine Einzelfallfrage.
- Ist eine Haaranalyse besser als Urinscreenings?
- Beides hat Vor- und Nachteile. Haaranalysen bilden längere Zeiträume ab, Urinscreenings sind dafür in kürzeren Intervallen. Entscheidend ist, was in deinem Fall fachlich sinnvoll und praktisch umsetzbar ist.
- Was passiert, wenn ich im Kontrollprogramm „auffällig“ werde?
- Dann ist die Abstinenz im Zweifel unterbrochen, und die Frage stellt sich neu: Wie gehst du mit diesem Rückfall um, welche Konsequenzen ziehst du? Ein Rückfall ist kein automatisches „Ende“, aber er muss ehrlich, nachvollziehbar und reflektiert aufgearbeitet werden.
9. Wie ich dich konkret unterstützen kann
Viele Betroffene fühlen sich bei der Planung von Abstinenzzeitraum, Kontrollprogramm und MPU-Strategie komplett allein gelassen. Genau hier setzen meine Angebote an.
🧩 „Beweissicher / Dein Nachweistoolkit“
- Hilft dir, dein Abstinenz- und Kontrollprogramm sinnvoll zu planen.
- Arbeitsblätter, mit denen du deinen Konsumverlauf strukturierst.
- Vorlagen für Zeitachsen (Tat – Konsumende – Nachweisbeginn – MPU), damit du nichts durcheinanderbringst.
- Checklisten, damit du keine formalen Fehler machst (falsche Laufzeit, falsche Substanzwahl, ungeeignete Anbieter).
🎯 Interaktive MPU-Vorbereitung (Onlinekurs)
- Verknüpft deine Nachweise mit deiner persönlichen Geschichte.
- Du lernst, wie du deine Veränderungen so darstellst, dass sie für den Gutachter schlüssig und glaubwürdig sind.
- Du bereitest dich gezielt auf das Gespräch in der MPU vor – ohne leere Floskeln oder auswendig gelernte Texte.
Wenn du möchtest, kannst du auf Basis dieses Artikels deinen eigenen Fall einmal durchdenken:
Wann war deine Auffälligkeit? Seit wann konsumierst du nichts mehr? Wann könnte dein Kontrollprogramm
starten – und wie lange sollte es laufen?
Genau diese Fragen beantworten wir strukturiert im Nachweistoolkit und im Kurs, sodass du mit einem
klaren Plan in deine MPU gehst – statt zu raten.
10. Fazit: „Wie lange und ab wann?“ – kein Ratespiel
Kurz zusammengefasst:
- „Wie lange?“ hängt von deiner Vorgeschichte, der Schwere der Auffälligkeit und der konkreten Fragestellung ab. 6 Monate sind häufig das Minimum, 12 Monate oder mehr sind in vielen Fällen realistischer.
- „Ab wann?“ zählt vor allem der Zeitraum, den du belegen kannst – ergänzt durch eine ehrliche, nachvollziehbare Veränderungsgeschichte.
- Eine gute Planung deines Kontrollprogramms verhindert, dass du wertvolle Monate und Geld verlierst oder mit unpassenden Nachweisen in die MPU gehst.
Du musst diese Fragen nicht allein klären. Mit klaren Informationen, einem strukturierten Nachweis-Konzept und einer durchdachten Vorbereitung kannst du deine MPU als planbares Projekt angehen – statt als reines Glücksspiel.