Betäubungsmittel MPU – Was sie wissen sollten

Cannabis

Kompliziert und manchmal zumindest gefühlt undurchsichtig gestalten sich die Untersuchungsvoraussetzungen bei der MPU wegen Drogen. Es gibt Unterschiede in der MPU Marihuana / Cannabis und der MPU wegen „harter“ Drogen wie Heroin. Nach Konsum oder festgestelltem Besitz von Drogen kann grundsätzlich eine MPU angeordnet werden, muss es aber nicht in jedem Fall. Die Ausnahme besteht meist bei Konsum oder Besitz geringer Mengen von Cannabis. Ersttäter kommen in diesem Fall oft um die Begutachtung herum, sollten sich aber keinesfalls ein zweites Mal aufgreifen lassen.

Die MPU Drogen ist in vielen Fällen umstritten, undurchsichtig und nicht logisch nachvollziehbar. Sie ist nicht bundeseinheitlich geregelt. Gerade bei Cannabis ist prinzipiell fast alles möglich, von der bloßen Ordnungswidrigkeit bis zur MPU. Wird die MPU Drogen angeordnet, ist sie trotzdem in den wenigsten Fällen anfechtbar.

Leider ist es nicht möglich, eine pauschale Aussage über Anzahl und Dauer eines Abstinenzprogrammes für die Medizinisch-Psychologische Untersuchung wegen Drogen zu treffen. Fast immer ist eine Beratung bei einer seriösen Beratungsstelle nötig, um den individuell nötigen Umfang zu bestimmen. Faktoren wie Häufigkeit des Konsums, festgestellte Menge bei der polizeilichen Ermittlung, Art der Drogen, Lebensführung und sonstiger Konsum von Rauschmitteln spielen eine Rolle. Erschwerend kommen oft Straftaten in Zusammenhang mit den Drogen (Diebstahl, Erpressung) hinzu. Auch ein bereits bestehender Eintrag wegen Alkohol ist häufig. Die Gutachter gehen in diesem Fall von multiplem Substanzenmissbrauch (Polytoxikomanie) aus.

Das Drogenscreening

Beim Drogenscreening wird auf folgende Substanzen getestet: Cannabinoide, Kokain, Opiate, Amphetamine, Methadon und Benzodiazepine (wichtig bei Schlafmittelabusus).

Werden Sie von der Polizei aufgegriffen und nach Ihrem aktuellen Konsum befragt, ist es nicht ratsam zu lügen. Das Ergebnis des Drogenscreenings gibt Ausschluss über die ungefähr konsumierte Menge. Stimmen Angaben und Laborergebnisse deutlich nicht überein, ist dies nachteilig. Somit entweder keine Angaben machen (außer zur Person), oder richtige Angaben. Sie sind nicht verpflichtet, Ihren Konsum darzulegen. Schweigen ist ein grundsätzliches Recht, dass jedem zusteht.

Das Drogenscreening als Abstinenznachweis muss von einer amtlich anerkannten Stelle durchgeführt werden (und einem forensisch anerkannten Labor). Die verlangte Abstinenzzeit liegt zwischen einem halben und einem Jahr und meist zwischen 4 und 6 Screenings im jeweiligen Zeitraum.

Ach ja: und Finger weg von Mohnbrötchen am Tag vor der MPU Drogen! Dies ist kein urbaner Mythos- der Mohn kann sich tatsächlich im Screening niederschlagen. Und für alle, die sie als Ausrede benutzen möchten: Es nützt so oder so nichts, weil mit Sicherheit ein neuer Test veranlasst wird zur Überprüfung, wenn Sie das behaupten. Mohnprodukte verursachen also nichts als zusätzliche Kosten.

Problem Methadonsubstitution: Besonders schwer ist die Fahrerlaubnis wiederzuerlangen, wenn man unter Methadonsubstitution steht. Eine Eignung muss immer im Einzelfall geprüft werden. Kriterien sind unter anderem: psychische Stabilität und klare Persönlichkeit, keine weiteren Beidrogen wie Alkohol, Substitution mit Methadon seit mindestens einem Jahr, hohe Eigenverantwortlichkeit in der Therapie und regelmäßige Kontrollen.

Alternative Haaranalyse

Alternativ zum Drogenscreening (großer Nachteil: man muss sich praktisch immer verfügbar halten und jeden Urlaub bekannt geben) kann eine Haaranalyse die Abstinenz belegen. Die Haaranalyse ist teurer, man benötigt aber weniger. Sie ist z.B. sehr geeignet für Montagearbeiter. Einzige Voraussetzung ist eine ausreichende Haarlänge. Pro Monat, der nachgewiesen werden soll, wird 1 cm Haare am Hinterkopf entnommen (natürlich so, dass man es nicht sieht).

Auch bei der MPU Drogen ist es entscheidend im psychologischen Gespräch, sich mit zugrunde liegenden Mustern des Konsums auseinanderzusetzen.