Alkohol-MPU – Was Sie wissen sollten

AlhohlDie MPU wegen Alkohol ist mit Abstand der häufigste Grund für eine Begutachtung der Fahreignung. Bei erstmaliger Auffälligkeit ohne weitere Delikte muss man in der Regel ab 1,6 Promille zur MPU. Bei wiederholter Alkoholauffälligkeit kann schon ab wesentlich geringeren Promillewerten eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung wegen Alkohol angeordnet werden. In der Probezeit entscheidet die Führerscheinstelle fallbezogen. Theoretisch kann in diesem Fall schon ab der Nachweisgrenze für Alkohol eine MPU Alkohol angeordnet werden. Denn in der Probezeit gilt die 0,00 Promillegrenze.

Zur Vorbereitung auf eine Alkohol MPU ist es wichtig, sich mit dem eigenen Trinkverhalten auseinanderzusetzen. Liegt keine Alkoholabhängigkeit vor, geht es unter anderem um die strikte Trennung von Trinken und Fahren. Neben Auffälligkeiten nach Feiern steht bei der MPU Alkohol oft eine Lebenskrise im Hintergrund. Abschnitte, in denen die Kontrolle über das eigene Verhalten, auch bei der Teilnahme am Straßenverkehr, entgleitet. Diese Verhaltensmuster gilt es vor einer MPU in jedem Falle aufzuarbeiten, denn Krisen werden in jedem Leben immer wieder auftauchen. Der Psychologe soll schließlich guten Gewissens bescheinigen und begründen, dass die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Auffälligkeit äußert gering ist.

Leberwerte oder Abstinenznachweis?

Bis vor einigen Jahren verließ man sich bei einer MPU Alkohol ganz auf die Leberwerte bei der Blutabnahme. Man kannte keinen Wert, der ausschließlich auf Alkoholkonsum hindeutet. Das hat sich inzwischen geändert.

Nachteile der Leberwertbestimmung: zahlreiche Erkrankungen können eine Veränderung der Leberwerte bewirken, sie sind somit nicht alkoholspezifisch. Warum können dann erhöhte Leberwerte trotzdem klar auf einen ausufernden Alkoholkonsum hindeuten? Der Alkohol wird in der Leber verstoffwechselt. Der massive Abbau von Alkohol erfordert eine erhöhte Aktivität der Leberenzyme. Diese misst man bei der Medizinisch-Psychologischen Untersuchung wegen Alkohol durch eine Bestimmung deren Konzentration im Blut.

Eine Alkoholabstinenz kann seit einiger Zeit zuverlässig über ein Kontrollprogramm ähnlich dem Drogenkontrollprogramm nachgewiesen werden. Der ETG-Wert (Ethylglucoronid) ist ein spezifischer Wert für Ethylalkohol und kann auch geringe Mengen konsumierten Alkohols nachweisen. Er wird als Urintest oder als Haaranalyse durchgeführt. 24h vor der Kontrolle ist darauf zu achten, keinerlei Lebensmittel mit möglichem Alkoholgehalt in großen Mengen zu verzehren (Sauerkraut, alkoholfreies Bier, Traubensaft u.ä). Der Grenzwert beim ETG liegt relativ niedrig. Eine Liste mit Lebensmitteln, die vermieden werden sollen gibt es bei der Einführung zum Programm zur Alkoholabstinenz). Früher war der CDT der verlässlichste Test. Das Abstinenzprogramm macht nur Sinn, wenn man, zumindest für einen gewissen Zeitraum, komplett auf den Konsum von Alkohol verzichtet. Bis zur MPU komplett auf Alkohol zu verzichten und bei der Begutachtung zu erwähnen, dass man in Zukunft wieder kontrolliert trinken möchte, ist nicht vorteilhaft, auch nicht mit Abstinenznachweis. Wie soll der Psychologe beurteilen, wie Sie unter Bedingungen agieren werden, die im Moment nicht vorliegen, aber in naher Zukunft geplant sind? In diesen Fällen kann es eine gute Lösung sein, über beispielsweise 3 Monate abstinent zu leben (mit Nachweis) und anschließend zuverlässig und lückenlos ein Trinktagebuch zu führen. Dort wird jeder Drink eingetragen, mit Datum und Anlass.

Ob und wie lange eine Alkoholabstinenz in Ihrem speziellen Fall Sinn macht, sollten Sie mit einem Fachmann so früh wie möglich vor der Alkohol MPU abklären.

Für alle, die keinen Abstinenznachweis erbringen müssen, gilt weiterhin, unbedingt vor der Untersuchung die Analyse der Leberwerte (eventuell mehrmals) durchzuführen. Sind diese erhöhte, spart die frühe Suche nach den Gründen bei der Untersuchung selbst dann Zeit und Ärger.